Ein Mädchen in Brasilien

Vor einiger Zeit haben wir im Spanischunterricht den Amazonas behandelt. In unserem Spanischlehrbuch steht dazu auch die Geschichte eines Mädchens aus dem Amazonasgebiet. Die Geschichte dieses Mädchens hat uns alle sehr bewegt und motiviert. Nachdem ich jetzt den Namen dieses Mädchens in einer ganz aktuellen Meldung gelesen habe, habe ich mein Spanischbuch wieder hervorgekramt und versuche, den Inhalt wiederzugeben.

Marina Silva wurde am 8. Februar 1958 mitten im Amazonasgebiet geboren, in Seringal Bagaço, genauer gesagt in einer kleinen Pfahlbausiedlung namens Breu Velho irgendwo in der Nähe. Nicht einmal eine Straße führt dorthin. Ihre Eltern waren Kautschuksammler und konnten Marina und ihre 10 Geschwister kaum ernähren. In Breu Velho gab es keine Schule, auch nicht in der näheren Umgebung. Marina musste wie auch ihre Geschwister bereits im Kindesalter ihren Eltern beim Kautschuksammeln helfen. Als sie 14 Jahre alt war, starb die Mutter. Marina musste sich jetzt um ihre Geschwister kümmern. Als sie dann selbst an einer schweren Hepatitis erkrankte ging sie in die nächstgelegene Stadt, nach Río Branco, um sich dort behandeln zu lassen. Sie arbeitete als Hausmädchen in einer Familie und begann im Alter von 16 Jahren lesen und schreiben zu lernen. Dann war sie zweieinhalb Jahre als Novizin in einem Kloster. Dort hörte sie auch etwas über die Befreiungstheologie. Letzlich entschied sie sich doch für ein Leben außerhalb der Klostermauern. Sie setzte ihre Schulausbildung fort und erlangte die Hochschulreife. An der Universidade Federal do Acre erlangte sie einen Hochschulabschluss in Geschichte.

313px-Marina Silva Candidatura 2An der Universität engagierte sie sich in der Revolutionären Kommunistischen Partei, die im Geheimen gegen das Militärregime kämpfte. 1984 gründete sie zusammen mit Chico Mendes den Gewerkschaftsdachverband CUT (Central Única dos Trabalhadores) im Bundesstaat Acre. Hier setzte sie sich für die Rechte der Kautschuksammler und der indigenen Völker des Regenwaldes ein, die ja beide das Interesse haben, den Regenwald zu erhalten. 1985, nach Ende der Militärdiktatur, trat sie in die Arbeiterpartei (Partido dos Trabalhadores) ein. 1988 wurde Chico Mendes von einem Großgrundbesitzer ermordet. Seither gilt sein Name als Symbol für den Kampf zur Erhaltung des Regenwaldes. Marina Silva aber setzte ihre politische Karriere fort. 1991 wurde sie Abgeordnete in ihrem Bundesstaat und im Jahre 1995 wurde sie zur jüngsten Senatorin in der Geschichte Brasiliens gewählt. Als 2003 Lula Da Silva zum Präsidenten gewählt wurde, bekam Marina Silva das Amt der Umweltministerin. Ihre Herkunft hat Marina Silva nie vergessen. Auch ist sie stolz, zum "schwachen Geschlecht" zu gehören, denn "die Erde" ist ja schließlich auch weiblich.

Marina Silva wurde im Leben nichts geschenkt. Jeden persönlichen Erfolg musste sie sich hart erarbeiten. Nie hat sie ihr politisches Amt dazu genutzt, sich Vorteile zu verschaffen, im Gegenteil. Auch schwere Krankheiten wie Hepatitis, Malaria, Leishmaniose und eine Schwermetallvergiftung, unter der sie heute noch leidet, musste sie ertragen. Nie hat sie ihre Ziele aus den Augen verloren. Auch ihrer Herkunft hat sie sich nie geschämt. Die Lebenssitutation der Kautschuksammler liegt ihr noch heute am Herzen.

2010 kandidierte Marina Silva für das Präsidentenamt, unterlag aber Dilma Roussef. Bei den Präsidentschaftswahlen 2014 unterstützte sie den Kandidaten der Sozialistischen Partei, Eduardo Campos. Am 13.08.2014 kam Eduardo Campos bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Die Partei hat sich nun entschlossen, Marina Silva als Kandidatin für das Amt des Präsidenten von Brasilien ins Rennen zu schicken. Am 5. Oktober sind die Wahlen. Wir sind gespannt.

Rolf Mayer v/ Orgler (der Lateinamerikaner unter den Oeconomen.)


Links:

https://marinasilva.org.br/biografia/

https://de.wikipedia.org/wiki/Marina_Silva

Bildquellennachweis: „Marina Silva Candidatura 2“ von Fabio Rodrigues Pozzebom/ABr - https://agenciabrasil.ebc.com.br/ultimasfotos?p_p_id=galeria&p_p_lifecycle=0&p_p_state=normal&p_p_mode=view&p_p_col_id=column-1&p_p_col_count=1&_galeria_railsRoute=/gerenciador_galeria/galeria/show%3Fid%3D902#http://agenciabrasil.ebc.com.br/galeriaimagens/images/fotos/6615/normal?p_p_id=galeria. Lizenziert unter Creative Commons Attribution 3.0-br über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Marina_Silva_Candidatura_2.jpg#mediaviewer/File:Marina_Silva_Candidatura_2.jpg


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